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Nachrichten, Vermischtes

Sonderheft Holzbau II ist erschienen

 EDITORIAL

Foto von Till Vallée

Till Vallée (Foto: Till Vallée)

Community!

Auch das Sonderheft „Holzbau“ der Bautechnik kommt nicht drum herum, zu allgegenwärtig ist Corona. Die durch das Virus hervorgebrachte Situation, die neue Realität, hat uns alle dazu gezwungen, uns ihr anzupassen. Der Raum für gewohnte Verhaltensweisen, wie private Treffen und berufliche Besprechungen, wurde immer lokalisierter und verlagerte sich immer mehr in die virtuelle Welt von Teams, Zoom usw. Und, für viele erstaunlich – mich inbegriffen –, es hat besser funktioniert als zuerst befürchtet. Der Corona-Ausbruch, egal wie man dazu steht, ob zweifelnd oder tief besorgt, hat vor allem gezeigt, wie wichtig Community ist – sei es die eigene Familie, Gemeinde oder sein berufliches Netzwerk. Trotz allen Ängsten war es auch ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass es eine lokale Community gibt, welche einfach nur da ist, wenn es darauf ankommt.

Was hat das alles mit diesem Sonderheft zu tun? Nun, auch der Holzbau braucht eine Community, ein Forum und ein Sprachrohr. Der Holzbau war schon immer dezentral aufgestellt, denn anders als Stahl oder der Beton wird der Werkstoff ja auch dezentral von Mutter Natur „hergestellt“. Im Gegensatz dazu musste das nötige Know-how, um Stahl- und Stahlbetonbauwerke zu errichten, erst in den letzten 200 Jahren erarbeitet werden, und es kann auch nicht anders vermittelt werden als durch strikte normative Vorgaben – zu groß ist die Distanz zwischen dem Werkstoff und der gefühlten Erfahrung. Dies wiederum erfordert starke zentrale Strukturen (DASt, DAfStB, ÖSTV, SZS etc.), die das generierte Wissen „nach unten“ weiterleiten.

Der Holzbau, welcher auf mehrere Jahrtausende Erfahrung zurückgreifen kann, ist in diesem Sinne „anders“ – auch weil die gefühlte Distanz zwischen dem Baum und dem daraus geschnitten und gehobelten Balken viel kleiner ist. Zwar gelten auch hier Normen und Vorschriften, aber insgesamt wird das Wissen bei Weitem nicht zentral, aber auch nicht systematisch, weitergeleitet. Dies engt den Holzbau zwar gefühlt weniger ein, macht ihn aber auch reaktionsträger gegenüber interessanten Innovationen, die nicht dem eigenen Erfahrungsschatz entstammen.

Ernst & Sohn war schon immer für den deutschsprachigen Raum der starke Keilriemen zwischen dem, was an Forschungseinrichtungen an neuen Erkenntnissen gewonnen wurde. Diese Rolle möchten wir weiterhin übernehmen und insbesondere für den Holzbau noch weiter stärken. Wir werden also noch mehr als vorher aktuelle holzbaurelevante Forschungsergebnisse an Sie weitergeben. Als Community allerdings brauchen wir Sie als aktive Teilnehmer: Kommentieren Sie die veröffentlichen Beiträge, teilen Sie uns mit, worüber Sie gerne mehr lesen würden, erklären Sie uns, was wir besser machen sollen, gerne auch mal mit direkten ehrlichen Worten. Dadurch helfen Sie nicht nur uns als Verlag, sich selbst als Anwender, sondern nehmen insbesondere direkt Einfluss   auf das, was und wie in Zukunft an Forschungseinrichtungen, welche auch Teil der Community sind, erforscht wird.

Denn, auch nach Corona: Die Herausforderungen des Bauens insgesamt, und des Holzbaus insbesondere, sind immer noch dieselben – möglichst nachhaltig und bezahlbar formschöne und dauerhafte Holzbauten zu entwerfen, planen und bauen.

Bleiben Sie gesund, Ihr

Till Vallée

Das Holzbau Bautechnik Sonderheft 11/2020 kann auf der Homepage vom Verlag Ernst & Sohn für 27,62 € bestellt werden.

Cover Holzbau Bautechnik Sonderheft 11/2020

Holzbau Bautechnik Sonderheft 11/2020

Leserkommentare

  1. Marcus Wehner | 21. November 2020

    Guten Tag,
    der Einschätzung stimme ich voll zu. Ich bin sehr erfreut zu hören, dass sich eine so professionelle Redaktion der regelmäßigen Wissensvermittlung über den in Zukunft immer wichtiger werdenden Baustoff Holz widmet.

    Mein Empfehlung/Wunsch:
    Bitte recherchieren, schreiben und berichtigen Sie über Projekte nicht nur aus dem Blickwinkel des Holzbauers! Bitte berichten Sie über Projekte, bei denen auch die Massiv- und Stahlbauer zu Wort kommen, die zusammen mit Holzbauern Neuland betreten und Projekte realisiert haben. Wir müssen die Fronten der Baustofflobbies runterreißen und aufzeigen wo in Zukunft die Symbiose der Baumaterialien zum Erfolg für den Bauherren und die Umwelt führt.

    Wir müssen noch unendlich vielen Architekten und Tragwerksplanern die Scheu nehmen auch mit Holz zu planen und zu bauen. Auch die heute 40 und 50 Jährigen!
    Es müssen die Lösungen für die wichtigsten Themen Schallschutz, Brandschutz und Kosten transparent aufgezeigt werden. Denn wenn es nicht freiwillig geht, wird es wohl doch irgendwann eine Holzbauquote geben müssen, damit der äquivalente CO2 Foodprint eines Gebäudes endlich sinkt.

    Viel Erfolg wünsche ich.

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Datum 13. November 2020
Autor lbrandes
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