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Einen Besuch wert

Spanische Wand Instituto Cervantes Frankfurt

Bild 1 Das alte Amerika Haus in Frankfurt.

Bild 1 Das alte Amerika Haus in Frankfurt. (Foto: Stadt Frankfurt/M.)

Vom legendären Amerika Haus (1957 SOM mit Otto Apel) aus breitete sich der American way of life in die bundesdeutsche Gesellschaft aus (Bild 1). 2005 wurde das Amerika Haus mit dem Generalkonsulat zusammengelegt. Eine behutsame Sanierung sollte die Geschichte des Hauses fortleben zu lassen, in das 2008 das spanischen Kulturinstitut Cervantes einzog. Eine neue Spanische Wand in respektvollem Abstand zur denkmalgeschützten Fassade verleiht dem Instituto Cervantes nun ein prägnantes spanisches Gesicht zum verkehrsträchtigen Reuterweg und damit zur Stadt. Und gleichzeitig entstand ein schützender Paravent für die Terrasse der Cafeteria (Bild 2).

Bild 2 Die neue „Spanische Wand“ zeigt nun das Spanische Insituto Cervantes an.

Bild 2 Die neue „Spanische Wand“ zeigt nun das Spanische Insituto Cervantes an. (Foto: Bernhard Hauke )

Bild 3 Isometrie der Stahlkonstruktion

Bild 3 Isometrie der Stahlkonstruktion (Zeichnung: schneider+schumacher)

Die bildhafte Spanische Wand greift dafür das Logo des Instituto Cervantes auf (Bild 2) und dupliziert dieses hundertfach (Bild 3). Die präzise baukonstruktive Umsetzung eines durchlässigen Paravents konnte nur mit Stahl erreicht werden, wobei die Minimierung des Materialeinsatzes eine besondere Herausforderung darstellte. Im Detail handelt es sich bei der fünf Meter breiten, acht Meter hohen und nur 12 cm tiefen Wand um eine flächige, rechteckige, frei im Raum stehende Plastik aus immer gleichen, 15 mm starken, verschweißten Stahl-Segmenten. Sämtliche Schweißnähte sind nahezu unsichtbar als Hohlkehle oder Y-Naht hergestellt und glatt gespachtelt. Besonders aufwändig war die Schweißnahtvorbereitung: Alle Kanten wurden mit 30 Grad angefast. Dann wurden jeweils zwei T-Bleche und ein Zwischenstück verschweißt (Bild 4). Nach dem Schweißen wurden ein Korrosionsschutz sowie eine Nasslackierung aufgebracht. Die Spanische Wand wurde im Werk komplett gefügt und liegend zur Baustelle geliefert – dies war eine besondere logistische Herausforderung, da die filigrane Konstruktion in den Transport- und Zwischenzuständen sehr weich ist und mit besonderer Sorgfalt in aufrechte Position gebracht werden musste. Nur drei dünne Stahlstäbe fixieren sie an der Fassade und minimieren so den Eingriff in die historische Substanz (Bild 5).

Bild 4 Aufwändig gefertigte, skulpturale Spanischen Wand

Bild 4 Aufwändig gefertigte, skulpturale Spanischen Wand (Foto: Bernhard Hauke )

Bild 5 Drei dünne Stahlstäbe fixieren die Spanische Wand am denkmalgeschützten Gebäude

Bild 5 Drei dünne Stahlstäbe fixieren die Spanische Wand am denkmalgeschützten Gebäude (Foto: Bernhard Hauke )

Die Spanische Wand des Instituto Cervantes in Frankfurt ist einen Besuch wert, weil die ornamenthafte Stahlstruktur mit plangeschiffenen Schweißnähten und scharfkantigem Profil wie aus einem Guss wirkt. Und nebenbei, der Rothschildpark, an dem das Instituto Cervantes liegt, ist eine kleine Oase zwischen Westend und Bankenviertel (Bild 6).

Bild 6 Die rückwärtige Pforte greift die Ornamentik auf und gibt Zugang zum Rothschildpark

Bild 6 Die rückwärtige Pforte greift die Ornamentik auf und gibt Zugang zum Rothschildpark (Foto: Bernhard Hauke )

Instituto Cervantes – Spanische Wand

Staufenstraße 1
60323 Frankfurt

www.frankfurt.cervantes.es

 

Architektur: schneider+schumacher, Frankfurt

Tragwerk: Bollinger+Grohmann, Frankfurt

Stahlbau: DAVID Stahl- und Metallbau, Schaafheim

Bauherr: Stadt Frankfurt am Main

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