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OZEANEUM Stralsund

Bild 1 Das OZEANEUM auf der Stralsunder Hafeninsel

Bild 1 Das OZEANEUM auf der Stralsunder Hafeninsel (Johannes-Maria Schlorke / OZEANEUM Stralsund)

Angrenzend an die UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt der Hansestadt Stralsund auf der Hafeninsel zwischen alten Speichern aus traditionellem Backstein liegt das 2008 eröffnete OZEANEUM (Bild 1) mit seiner schönen Ausstellung über die Riesen der Meere (Bild 2) und die heimische Ostsee.

Bild 2 Die Ausstellung zeigt vom Mondfisch bis zum Blauwal die Welt der Riesen der Meere

Bild 2 Die Ausstellung zeigt vom Mondfisch bis zum Blauwal die Welt der Riesen der Meere (Johannes-Maria Schlorke / OZEANEUM Stralsund)

Bild 3 Eine 34 Meter lange Rolltreppe führt die Besucher im OZEANEUM vorbei an Original-Walskeletten in die erste Ausstellung

Bild 3 Eine 34 Meter lange Rolltreppe führt die Besucher im OZEANEUM vorbei an Original-Walskeletten in die erste Ausstellung (Johannes-Maria Schlorke / OZEANEUM Stralsund)

Den europaweiten Architektenwettbewerb für den Erweiterungsbau des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund hatten 2005 Behnisch Architekten aus Stuttgart gewonnen, federführend war dabei Martin Haas. Und André Dürr, heute Professor für Stahlbau an der Hochschule München und in der Bauphase verantwortlicher Statiker bei Donges SteelTec erinnert sich: „Die komplexe geometrische Freiform stellte für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, begonnen bei der Konstruktion und der Tragwerksplanung, über die Fertigung bis zur Montage. Ich bin heute immer noch überzeugt, dass aus statischen und wirtschaftlichen Gründen eine Stahlkonstruktion die beste Wahl ist.“ Das OZEANEUM ist in vier einzelne, den Themen des Ausstellungskonzeptes folgende Baukörper gegliedert (Bild 1). Ein zentrales Foyer verbindet die einzelnen Teile durch Stege und Rolltreppen (Bild 3).

Bild 4 Blick aus dem OZEANEUM zur Rügenbrücke

Bild 4 Blick aus dem OZEANEUM zur Rügenbrücke (Bernhard Hauke / Stahlbau)

Mit weitgespannten Stahlkonstruktionen werden hier spannende Abwechslung zwischen den Ausstellungsbereichen und wunderbare Blickbeziehungen in die Umgebung ermöglicht (Bild 4). Der Brandschutz der sichtbaren Stahlkonstruktion erfolgt über eine Beschichtung. Hier sind heute sicher deutlich bessere Oberflächenqualitäten möglich (siehe z.B. IGSB-INFO 2 auf www.igsb.info). Die frei geformte Außenhaut der vier Hauptbereiche wurde aus drei Meter breiten Stahlblechen mit Dicken zwischen 8 – 30 Millimetern schiffsbautypisch gefertigt (Bild 5).

Die Außenerscheinung wird so originell maritim geprägt. Die Fassadenbleche sind selbsttragend und nur punktuell an der Primärkonstruktion befestigt. Die Walhalle (Riesen der Ozeane, Bild 2) ist eine Stahlrahmenkonstruktion mit Spannweiten bis zu 20 Metern: Durch verspringende Deckenebenen und die freie Fassadenform sind alle Stützen unterschiedlich geneigt und teilweise auch gekrümmt – das Meisterstück von André Dürr.

Bild 5 Eingangsbereich mit Freiformfassade aus schiffsbautypisch geformten Stahlblechen

Bild 5 Eingangsbereich mit Freiformfassade aus schiffsbautypisch geformten Stahlblechen (Johannes-Maria Schlorke / OZEANEUM Stralsund)

Das OZEANEUM in Stralsund ist einen Besuch wert, weil hier auch mit den Mitteln des Stahl- und Schiffbaues ein einprägsames und identitätsstiftendes Museumsensemble entstanden ist, welches den maritimen Ortscharakter unterstützt und sich eigenständig in den historischen Kontext einpasst. Und nebenbei: die Ausstellung ist ebenfalls faszinierend.

Einen Besuch wert – Beiträge dieser Art erscheinen zukünftig in der Stahlbau, zwar in unregelmäßigen Abständen, aber sie sind durchaus einen Besuch wert.

 

Architektur: Behnisch Architekten, Stuttgart
Tragwerk: Schweitzer Beratende Ingenieure, Saarbrücken
Brandschutz: TÜV Nord Systems, Hamburg
Energiekonzept: Transsolar Energietechnik, Stuttgart
Stahlbau-Arbeitsgemeinschaft: Wolgast Reiners, Donges SteelTec, Köthenbürger
Bauherr: Deutsches Meeresmuseum, Stralsund
Auszeichnung zum Preis des Deutschen Stahlbaues 2010

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Datum 22. Januar 2019
Autor sophia
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