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Vermischtes

„Unter uns“

Von Nutzen und Ästhetik der Unterwelt

Er ist Ingenieur, Journalist und Fotograf. Und er geht seit 25 Jahren in Deutschlands Abwasserkanälen und -bauwerken „ein und aus“. Dabei fotografiert er. Ulrich Winkler ist bescheiden – auch in dem Sinne, in dem Martin Luther noch dies Wort verstand – bescheiden war damals jemand, dem etwas beschieden wurde. Ulrich Winkler weiß „unter uns“ Bescheid. Nach eigener, bescheidener Einschätzung verfügt er über eine der größten Fotosammlungen zum Thema „Abwassersysteme“ weltweit.

Eine kleine Auswahl des in die Zehntausende Fotos gehenden Archivs hat Winkler zu einer Ausstellung zusammengefasst, die 2009 bereits in Nagoya/Japan zu bestaunen war. In großformatigen Abzügen stellte nun unlängst seine Berliner Ausstellung „unter uns – Nutzen und Ästhetik der Unterwelt“ die architektonische Bandbreite des Themas dar; ein zweiter Teil der Sammlung zeigte den Infrastruktur-Untergrund als „Arbeitsplatz der besonderen Art“ und soll den Menschen Respekt zollen, die ihr Leben mit der Instandhaltung des technischen Fundaments unserer Hygiene und Gesundheit verbringen.

Ein besonderes Anliegen ist es Winkler, eine Brücke zu schlagen von der profanen Funktionalität einer – assoziativ eher negativ besetzten – Infrastruktur zur sinnlichen Ästhetik der Unterwelt, die sich in dem Moment recht überraschend offenbart, wo Licht ins Dunkel gebracht wird. Dann entstehen nicht nur faszinierende Eindrücke, man wähnt sich plötzlich vor abstrakter Malerei, nicht zuletzt vor Schwelgen in Farben und ein ums andere Mal blitzt sogar Schönheit auf. Das setzt allerdings voraus, sich bewusst von verfestigten Wahrnehmungsmustern zu lösen, etwa von dem des Technikers, der den Wert einer Abbildung in Präzision und Unmissverständlichkeit sieht. Dem setzt Ulrich Winkler ganz bewusst Mehrdeutigkeit, Assoziation und Emotionalität entgegen: „Ich will mit den künstlerischen, teilweise sehr abstrakten Darstellungen Empfindungen auslösen, nicht zur analytischen Betrachtung technischer Vorgänge provozieren. Darauf muss man sich als Betrachter – zugegebenermaßen – erst einmal einlassen. Das fällt gerade Ingenieuren jedoch nicht immer leicht“, meint Ulrich Winkler, der es als Ingenieur ja wissen muss … doch sehen Sie selbst …

Datum 11. April 2013
Autor bt
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