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Einen Besuch wert

Verkehrsdienst Kißlegg

Der Anbau Verkehrsdienst Kißlegg glänzt durch Leichtigkeit und die selbstverständliche PV-Integration

Der Anbau Verkehrsdienst Kißlegg glänzt durch Leichtigkeit und die selbstverständliche PV-Integration (Achim Birnbaum)

Durch eine Polizeireform wurden vier zusätzliche Büros beim Verkehrskommissariat Kißlegg (heute Verkehrsdienst) erforderlich. Das zweigeschossige, massive Bestandsgebäude sollte in der Grundform des Satteldachhauses linear fortgeschrieben werden. Die weitgehend vorgefertigte Konstruktion des kellerlosen Anbaues am Südende des Bestandgebäudes versprach ungestörten Polizeidienst und Kostensicherheit.

Leichtes Stahl-Hybrid Tragwerk 8 kg/m²

Leichtes Stahl-Hybrid Tragwerk 8 kg/m² (Brixner Architekten)

Tragwerksdetail: T-Stütze, Auflagerwinkel und Spannbetonhohlplatte

Tragwerksdetail: T-Stütze, Auflagerwinkel und Spannbetonhohlplatte (Wilhelm + Partner)

Die Tragstruktur wird vom Bestand gehalten und besteht aus einem einfachen, Stahlskelett und leichten Spannbetonhohlplatten. Das optimale Steifigkeitsverhältnis Decke-Stütze wurde iterativ für Walzprofile T80 ermittelt. Die Deckenauflage auf einem L-Profil resultiert in einer Exzentrizität, welche durch eine biegesteife Verbindung kompensiert wird. Dies geschieht über druckfesten Mörtel zwischen Platten und L-Profil sowie Zugbänder in den Längsfugen, welche über verschweißte Gewindehülsen angeschlossen sind. Wechselnde Momente sind berücksichtigt. Das System erlaubt eine Montagezeit von unter drei Stunden pro Ebene. Die Stützen tragen auch die auskragenden Dachpfetten. Mit abgehängten Rundstäben wird die vorgelagerte Gitterrostebene punktuell gehalten.
Die Fassade ist eine Aluminium‐Pfosten‐Riegel‐Konstruktion. Aus Sicherheitsgründen wurde seitlich eine starre Sonnen‐ und Blendschutzkonstruktion aus Akustiktrapezblech vorgehängt. Die Giebelfassade wird durch rahmenlose Photovoltaik‐Ganzglaslamellen verschattet, welche manuell um die Rundstäbe ausgerichtet werden können.
Der bauliche Brandschutz erfolgt über verglaste T90-Türen zum Anbau, die mit Rauchmelderüberwachung offengehalten werden. Damit kann die feuerverzinkte Stahlkonstruktion sichtbar bleiben.
Der Verkehrsdienst Kißlegg ist einen Besuch wert, weil hier die „Allerweltsaufgabe“ Büroerweiterung mit Standardelementen in einer sehr leichten Stahl-Hybrid-Bauweise (8 kg/m²) intelligent gelöst wurde. Und nebenbei, die multifunktionale Integration von Solartechnik gibt der viel geforderten eigenen Sprache für das Bauen mit erneuerbaren Energien ein schönes Wort.

Verkehrsdienst Kißlegg
Friedrich-List-Straße 14
88353 Kißlegg
Rücksichtsvolle Besichtigung von außen möglich

Architekten: Brixner Architekten, Stuttgart
Tragwerksplanung, Fachbauleitung: Wilhelm + Partner, Stuttgart
Prüfingenieur: Prof. Hugo Rieger, Heilbronn
Bauphysik: Bauphysik 5, Backnang mit Transsolar, Stuttgart
Stahl- und Metallbau: Johann Georg Weber Stahl- und Metallbau, Argenbühl
Pfosten-Riegelfassade: Stahl- und Metallbau Bacher, Mengen
Betonbau: Weber Bauunternehmen, Schlier-Fenken
Elektro: Ludwig Lüttmann, Ravensburg
Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Ravensburg
Hugo-Häring-Auszeichnung 2017
Sonderpreis des BMUB zum Stahlbaupreis 2018

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