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Kolumne Falk Jaeger

Visionäre Denke braucht das Land!

Die Angela gilt als forsch, erfolgsorientiert, wagemutig. Nein, nicht die Merkel, sondern Angela Titzrath, derzeit Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG HHLA. Kürzlich hatte sie die Öffentlichkeit mit der Ankündigung verblüfft, einen Hyperloop zum Abtransport ihrer Container bauen zu wollen (siehe Kommentar). Nun setzt sie einen drauf. „Hamburg will Container mit Drohnen befördern“, titelte die FAZ.

Drohne

Drohne (HHLA)

Titzrath will, ob Hamburg will, da sind Zweifel angebracht. Das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML (maritime, nicht aeronautische!) – es entwickelt und optimiert nämlich „Prozesse und Systeme entlang der maritimen Supply Chain“, wie es herrlich denglisch heißt – hat eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Fazit: Machbar, aber der Weg bis zur Wirtschaftlichkeit sei noch weit.
Der Weg zur Praxis aber wohl auch. Wir bemühen mal unsere Fantasie und stellen uns das Szenario vor. Das von der HHLA verbreitete Bild einer gerade einschwebenden blauen Blechkiste ist da nur wenig hilfreich. Es zeigt immerhin, dass die Tragkraft wohl nur für Kurzcontainer reicht. Es gibt auch eine Vorstellung von dem Fluggerät selbst, mit zwei großen und zwei kleinen Rotorohren erheblicher Ausdehnung.
Was gemäß den Protagonisten noch geklärt werden muss, ist die Frage, wie die Drohnen in den beengten Verhältnissen des Schiffs und des Lagers manövrieren sollen. Sicher ein marginales Problemchen. Auch jenes, dass beladene Container zu schwer sind und die Elektrodrohnen deshalb nur leere Container transportieren können. Aber leere Container sind im Hafen ja ein Massenphänomen, das ist nun gelöst. Dutzende, ach was Hunderte von Drohnen – oder Tausende? Schließlich docken ¾ davon immer in der Ladestation – können sie nun emsig hin- und hertragen.
Klar, Hafenbetrieb macht sowieso viel Lärm. Da werden die dröhnenden Propellerschwärme kaum auffallen. Und Wind gibt’s an der Küste ohnehin. Aber was ist, wenn der Wind etwas auffrischt, und wenn es mal drei Tropfen mehr regnet? (Das hat man in Hamburg schon erlebt). Wird der Ladebetrieb dann eingestellt?

Luftbild der Fläche für autonom fahrende AGV auf dem HHLA-Terminal Altenwerder (CTA).

Luftbild der Fläche für autonom fahrende AGV auf dem HHLA-Terminal Altenwerder (CTA). (HHLA / Thies Rätzke)

Man muss sich vielleicht auch noch überlegen, was beim Stocken des Ladevorgangs geschieht. Schweben die Dinger dann im Stau? Lange können sie nicht in der Luft bleiben. Streiten sie sich dann autonom um Notlandeplätze auf der Hafenstraße? Oder versenken sie sich, wenn kein freies Plätzchen mehr erreichbar ist, sicherheitshalber selbst in der trüben Hafenbrühe? Doch halt, die Container sind ja leer, sie werden sicher nicht untergehen.
Aber meine notorische Skepsis ist sicher ganz unbegründet. Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Atomkraft ist weltweit ein Erfolgsmodell, Häuser wachsen buchstäblich in den Himmel und jedermann kann sich heute eine Kreuzfahrt leisten, alles prima.

Angela Titzrath bleibt bis 2024 Vorstandsvorsitzende der HHLA.

Angela Titzrath bleibt bis 2024 Vorstandsvorsitzende der HHLA. (HHLA / Nele Martensen)

Wir brauchen visionäre Menschen wie Frau Titzrath, die keine Denkverbote akzeptieren und mit unkonventionellen Ideen mutig voranschreiten. Wenn es ein simples Fließband vom Leercontainerlager zur Kranbahn auch täte, dann wäre das einfach nicht cool genug, und kein bisschen digital. Denn die Digitalisierung will Frau Titzrath voranbringen. Autonome elektrische LKW lässt sie schon erproben. Das sorgt natürlich für reibungslosen Verkehr und eliminiert minderqualifizierte Arbeitsplätze. Heute will ohnehin keiner mehr als LKW-Fahrer arbeiten, sondern alle studieren und werden Ingenieur.
Internen analogen Quellen zufolge lässt sie gerade prüfen, wen sie mit einem weiteren hyperinnovativen Forschungsauftrag bedenken könnte. Es geht ihr um die Loslösung von den Zwängen der Materie, um das Beamen von Containern von A nach B. Das freilich würde ihr selbst den Job kosten, denn wer bräuchte dann noch Containerhäfen?

Leserkommentare

  1. Dr.-Ing. Ulrich Malchow | 5. April 2019

    Schöner süffisanter Bericht.

    Es kommt noch doller:
    Ein wirkungsvolles und realisierungsnahes Konzept zur Auflösung des Containerstaus im Hafen (www.portfeederbarge.de) läßt die HHLA seit Jahren scheitern, da man nicht bereit ist, 200 €/Tag an Kostenbeitrag zu leisten. Die HHLA gibt täglich mehr für Gästebewirtung aus! Es ist der Gegenwert von 1-2 Containermoves über die Kaikante (bei ca. 20.000 TEU täglich). Das schwimmende weltweit bislang einmalige Gerät ist (im Wortsinn) wahrscheinlich nicht abgehoben genug.

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Datum 1. April 2019
Autor Falk Jaeger
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