momentum magazin für Bauingenieure präsentiert von Ernst & Sohn
Events

Vorschau: Zeitlos oder Zeitbild? Vitruvs zehn Bücher ‚De architectura‘

A 1521 Italian language edition of De architectura, translated and illustrated by Cesare Cesariano

A 1521 Italian language edition of De architectura, translated and illustrated by Cesare Cesariano (Foto: Mark Pellegrini (CC BY-SA 2.5))

Die Schrift des römischen Ingenieurs Vitruv zum Bau- und Konstruktionswesen ist die vollständigste ihrer Art, die wir aus der Antike kennen. Wie kein anderes Dokument hat sie Bauen und Kunst der westlichen Welt seit der Renaissance geprägt. Vermeintlich zeitlos, galt sie als die Summe klassisch-antiken Bauwissens. Erst als Archäologie und Architekturforschung im Lauf des 19. Jahrhunderts ein verschiedenartiges Bild der Antike zutage förderten, brach der Rang dieser Schrift zusammen. Sie schien weder den griechischen noch den römischen Bauzeug-nissen gerecht zu werden.

Eine neue, bis heute anhaltende Auseinandersetzung mit Vitruvs ‘De architectura’ setzte mit dem Ende der 1970er Jahre ein. Die Intensität dieser Beschäftigung übertrifft inzwischen selbst diejenige zur Zeit der begeisterten Wiederentdeckung Vitruvs in der Renaissance. Doch hat sich der Blickwinkel entscheidend verändert. Vitruvs Schrift kann nicht mehr als die ‘Bibel’ vorbildlicher Architektur verstanden werden. Sie bildet vielmehr ein uner-wartet scharf gezeichnetes Zeugnis einer epochalen Zeitenwende unter Augustus, – als sich Rom nach Erreichen der ‘Weltherrschaft’ selbstbewußt das nun verfügbare griechische Erbe zu Eigen machte.

Wie hat sich die römische Führungsschicht mit der Überlegenheit griechischer Gelehrsamkeit auf allen Gebieten des Wissens auseinandergesetzt? Wie spiegelt sich dies in der Abhandlung Vitruvs? Warum ist sie nahezu blind gegenüber römischen Neuerungen im Konstruktionswesen, wie etwa dem Bogen- und Gewölbebau? Gab es auch genuin römische Werte zu verteidigen? Wie hat sich der Architekt von Augustus’ größtem Tempel in solcher Situation verhalten? Wie wurde dies im stadtrömischen Kunstdiskurs aufgenommen? Gut 500 Jahre nach Beginn der neuzeitlichen Erforschung Vitruvs sind die sich neu auftürmenden Fragen immer noch überwältigend.

Vortragender: Dr.-Ing. Lothar Haselberger, University of Pennsylvania (USA)

Datum, Uhrzeit: Donnerstag, 19. Februar 2015, 17:30 Uhr

Ort: Deutsches Technikmuseum, Trebbiner Straße 9, 10963 Berlin (Vortragssaal 4. Stock)

Der Vortrag ist Bestandteil der Reihe “Praktiken und Potenziale von Bautechnikgeschichte” und eröffnet unsere diesjährige Reihe „Bautechnik der Antike“, die der Lehrstuhl für Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung der BTU Cottbus-Senftenberg (Ltr.: Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz), der VDI-Arbeitskreis Bautechnik (Ltr.: Dipl.-Ing. Andreas Götze) und der VDI-Arbeitskreis Technikgeschichte (Leiter: Dr.-Ing. Karl-Eugen Kurrer) zusammen mit dem Deutsches Archäologisches Institut, Berlin (Architekturreferat – Prof. Dr.-Ing. Ulrike Wulf-Rheidt) veranstaltet.

Schreibe einen Kommentar…

Datum 17. Februar 2015
Autor VDI-Arbeitskreis Technikgeschichte
Schlagwörter , ,
Teilen facebook | twitter | Google+