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Einen Besuch wert

Zentrum Paul Klee Bern

Bild 1 Zentrum Paul Klee am Stadtrand von Bern: gebaute Topografie

Bild 1 Zentrum Paul Klee am Stadtrand von Bern: gebaute Topografie (Foto: Arup)

Mit dem Zentrum Paul Klee am Stadtrand von Bern erhielt die Sammlung mit Werken des gebürtigen Berners 2005 einen Ausstellungsort, der mehr als ein Museum sein soll. Paul Klee (1879-1940), war nicht nur Maler, sondern auch Musiker, Pädagoge und Dichter sowie einer der wichtigsten Künstler am Bauhaus. Das Zentrum beherbergt neben den erwartbaren Ausstellungsräumen auch ein Auditorium, Forschung und Verwaltung sowie ein Kindermuseum. Es ist kein Haus, sondern in die Landschaft eingebettete, gebaute Topografie: Die Tragstruktur dreier Hügel ist mit der natürlichen Landschaft verwoben (Bild 1).

Grundform des Tragwerks und statisches System

Grundform des Tragwerks und statisches System (Zeichnung: Arup)

Bild 3 Der Bogenschub wird mittels Stahlbetonrippen über die Bodenplatte kurzgeschlossen

Bild 3 Der Bogenschub wird mittels Stahlbetonrippen über die Bodenplatte kurzgeschlossen (Foto: Arup)

In der frühen Planungsphase schienen die Betonschalen des Schweizers Heinz Isler eine naheliegende Lösung. Stuart Smith, Director und Leiter Tragwerksplanung Arup Deutschland erinnert sich: „Wegen der unterschiedlichen Beanspruchungssituationen entschieden wir uns für eine Tragwerkskonstruktion aus Stahlrippen, die mit computergesteuerten Brennschneidemaschinen in unterschiedlichen Formen ausgeschnitten und dann per Hand verschweißt wurden.“ Die teilweise flachen Wölbungen und die Last der partiellen Erdüberschüttung sprachen für die Trägerschar (Bild 2) im Abstand von 2,5 m. Ein Vorteil der Stahlträger ist auch, dass die Tragfähigkeit bei gleicher Kubatur durch Variation der Blechstärken angepasst werden kann. Der enorme Bogenschub wird mittels Stahlbetonrippen über die Bodenplatte kurzgeschlossen (Bild 3). Bogenhöhe und Spannweiten korrelieren teilweise. An den bis zu 18 m hohen und 63 m spannenden Frontbögen ist die Glasfassade aufgehängt (Bild 4), welche insbesondere aufgrund von Temperaturschwankungen Verformungen von bis zu ± 35 mm aufnehmen muss. Die Träger sind überdimensioniert, so dass diese innen und außen sichtbar bleiben (Bild 5). Der Dachaufbau besteht aus Trapezblechen, 28 cm Wärmedämmung und einer Dachhaut aus Chromstahl.

Bild 5 Zentrum Paul Klee Bern: Die sichtbaren Stahlrippen veranschaulichen das Tragwerk

Bild 5 Zentrum Paul Klee Bern: Die sichtbaren Stahlrippen veranschaulichen das Tragwerk (Foto: Arup)

Das Zentrum Paul Klee Bern ist einen Besuch wert, weil es eine gelungene frühe Form von computerorientiertem Entwurf, Bemessung und Fertigung darstellt. Und nebenbei, das vielseitige Werk von Paul Klee kann in den Berner Hügeln aus einem Bestand von über 4.000 Werken in rotierender Auswahl immer wieder neu entdeckt werden.

 

Zentrum Paul Klee Bern

Bild 4 Die Glasfassade ist abgehängt und muss Verformungen infolge T von bis zu ± 35 mm aufnehmen

Bild 4 Die Glasfassade ist abgehängt und muss Verformungen infolge T von bis zu ± 35 mm aufnehmen (Foto: Arup)

Monument im Fruchtland 3
3006 Bern

www.zpk.org

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr

 

Architekten: Renzo Piano Building Workshop, Paris

Tragwerksplanung: Ove Arup, London/Berlin; B+S Ingenieure, Bern

Rohbau: Itten + Brechbühl, Basel

Stahlbau: Zwalten & Mayr, Aigle

Fassade: Tuchschmid, Frauenfeld

Bauherr: Maurice E. und Martha Müller Foundation, Bern

European Steel Design Award 2007

Leserkommentare

  1. Karl-Eugen Kurrer | 15. Juli 2020

    Das Zentrum Paul Klee Bern – allemal einen Besuch wert.
    Ein anmutiges Bauwerk in einer poetischen Landschaft.
    Ein wunderbarer Versuch, ein neues Verhältnis von Natur, Technik und Kunst zu finden. Genius Loci. Fast ein Ort der Utopie: Man elongiert in der Raumzeit.
    By the way – lesenswert ist der Aufsatz hierzu:
    R. Lang, V. Schmid: Zentrum Paul Klee – Entwurf und Konstruktion der Museumswelle, in: Stahlbau 73 (2004), H. 6, S. 365-372.

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